Die Jury:
Es mag ein anstrengender Tag gewesen sein für diesen jungen Waldkauz. Zumindest möchte man das Meinen beim Betrachten dieses Bildes. Ziemlich zerknautscht blickt er drein, der Ästling, so als hätte ihn der Tag geschlaucht. Ganz schön anstrengend eben, dieses Erwachsenwerden außerhalb des elterlichen Nestes:
Draußen in der aufregenden, aber auch unbarmherzigen Natur. Fliegen muss man selbst lernen, und dann den doofen Baum immer wieder rauf, Kralle für Kralle. Da kann man bei Sonnenuntergang schonmal so aussehen, als ob man gerade vom Sandmann überfahren worden wäre.
Ob das wirklich die Gedanken des jungen Kauzes gewesen sein mögen in dieser Situation, das sei dahingestellt. Aber Martin Kuhns Inszenierung bietet schlicht herrlichen Interpretationsspielraum. Ein ganz feines Foto, das einen intimen Blick auf das Erwachsenwerden der jungen Eule ermöglicht und dadurch bei vielen auf große Sympathien gestoßen sein dürfte.
Damit ist der alljährliche Neuanfang, der dem Frühling innewohnt, goldrichtig in Szene gesetzt. Ein wunderbarer Wettbewerbsgewinner, Gratulation!
Martin Kuhn selbst:
„Ein frisch ausgeflogener Waldkauz-Ästling lehnt sich im Sonnenuntergang gegen den Stamm.
Während des Eulen-Monitorings in einem Waldgebiet Nordostbayerns konnten zwei mit Waldkäuzen belegte Kästen nachgewiesen werden. In einem der beiden Kästen sind zwei Jungtiere ausgeflogen und befinden sich im sogenannten Ästlings-Stadium. Sie werden weiterhin von den Altvögeln versorgt und üben vor allem das Fliegen. Nach der Entdeckung wurde der Ansitz im Tarnzelt eingenommen und auf den Sonnenuntergang gewartet.“
Über das Bild:
f/2.8 | 1/60 sek | ISO 100 | -1ev
Nikon Z6 III | Nikon FTZ | Nikon AF-S 300mm f2.8 D II | Rollei Lion rock traveller Stativ | Tarnzelt
Aufgenommen am 15. Mai 2025, 19:55 Uhr in einem Waldgebiet in Nordostbayern
🤝 Wettbewerbssponsor elles Wildvogelfutter gratuliert Martin Kuhn zur Goldmedaille beim Vogelfoto des Frühlings 2025 und überreicht das Preisgeld in Höhe von 300 Euro.